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Casa Girasol Tagebuch-Blog: Unser erstes Camp mit Strassenkindern

Casa Girasol Tagebuch-Blog

Casa Girasol engagiert sich in Honduras für Strassenkinder, Heimkinder und Müllhalden-Kinder. Wir organisieren Kurzeinsätze und Workcamps. In diesem Blog berichten wir dir aktuell von den Geschehnissen vor Ort. Besuche auch unsere Webseite für weiterführende Informationen zu unserem Engagement.

02.12.2010

Unser erstes Camp mit Strassenkindern


Im November stand für uns der Wechsel vom Kinderheim RafaEl ins Casa Girasol – etwa 5 Kilometer entfernt – an. Dort bezogen wir erst einmal unser Zimmer, um vor Ort mit Gästen aus der Schweiz und aus Deutschland die zwei dreiwöchigen VIVA!-Camps, eines im November und ein weiteres im Dezember durchzuführen.

Nach der Vorbereitungswoche, in der wir neben den Lagervorbereitungen gemeinsam mit den Gästen das honduranische Land und Leben erkundeten, holten wir am Montag 10 Jungs und 10 Mädchen bei unserer Partnerorganisation Casa Alianza ab. Kinder, die erst seit wenigen Wochen, teils sogar nur einigen Tagen weg von der Strasse waren. Es war eindrücklich, in die zu Beginn eher scheuen, bedrückten Gesichter zu schauen. Doch nachdem die Kinder ihre vorbereiteten Betten bezogen, das Areal kennen gelernt und mit uns allen Kontakt geknüpft hatten, war das Eis schnell gebrochen. Die Kinder erzählten ihre zwar erst kurzen (11-16-jährigen) aber dafür umso intensiveren Lebensgeschichten – unglaublich, was junge Menschen in wenigen Jahren ihres Lebens alles erleben können.

Zum Beispiel erzählte ein Junge von seiner Flucht in die USA, ein paar Jahren Überleben in Houston mit der älteren Schwester, danach entdeckt und aufgegriffen werden bevor er per Flugzeug zurück nach Honduras geschickt und dort am Flughafen sich selber überlassen wurde. Nach zwei Wochen auf der Strasse fand er beim Casa Alianza Zuflucht. „Du bist jetzt mein Vater, meinen eigenen kenne ich nicht und habe ich auch nie gesehen“, sagte derselbe Junge Ende Woche zu Dominik.

Einem anderen Jungen war sehr gut anzusehen, dass er eine zeitlang auf der Strasse lebte. Seine Motorik war sehr langsam und schien fast ein bisschen beeinträchtigt durch das ungesunde, von Drogenkonsum geprägte Leben auf der Strasse. Während der gesamten Woche war er damit beschäftigt, uns „Gringos“ (so werden hier die Ausländer liebevoll genannt) zu umarmen und zu drücken. Gleichzeitig blühte er immer mehr auf, wurde aktiver, fröhlicher und fand zu einem immer entspannter werdenden Lachen.

Nach einer körperlich und vor allem emotional intensiven Woche folgte am Samstag dann das Unvermeidbare: ein trauriger, von Tränen übergossener Abschied. Wir haben die Kinder alle ins Herz geschlossen und wie sich heraus stellte, ging es ihnen genau so. Es war eine ausgesprochen schöne, aber auch intensive Zeit. Wir hoffen und beten, dass es für die Kinder mehr war als eine Woche mit spannendem Programm und gutem Essen. Sie sollen Hoffnung und Zuversicht auf ein anderes, drogenfreies und von Liebe geprägtes Leben erhalten.

Danke an die lieben VIVA!-Camper, die diese Woche möglich gemacht haben. Danke auch an alle, die uns unterstützen und helfen, damit wir auch in Zukunft für solche Kinder einstehen können.

Herzliche Grüsse
Rahel & Dominik

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